RatioBlog
Kritische Betrachtungen über Naturwissenschaften, Alternativmedizin, Alltagsmythen, Parawissenschaften und Wissenschaft in den Medien

27.
Februar
2015

Ich habe Mail (3)

Geschrieben von Michael Hohner am 27. Februar 2015, 07:44:35 Uhr:

Ich habe wieder einmal Post bekommen:

Ich bin ein ganz normaler Bürger und habe mir mir mehr durch Zufall Ihre Beiträge und die Beiträge von Frau Anita Petek-Dimmer angehört. Ich habe dabei das ganz starke Gefühl bekommen(geprägt von jahrzehntelangen Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich), dass Sie ein sehr unredlicher und gefährlicher Mensch sind, bei dem äußerste Vorsicht geboten ist. Ich bin froh darüber, dass ich Menschen Ihres Schlages in meinem näheren Umfeld nicht ertragen muß!

(von einer offensichtlich falschen EMail-Adresse, soviel zum Thema Redlichkeit…)

Er/Sie hat Recht: Wer mich persönlich kennt, weiß wie extrem gefährlich ich bin. Ich neige zu plötzlichen Ausbrüchen von Wahrheit. Da ist extremste Vorsicht geboten, wenn jemand kompletten Unsinn erzählt. Wenn z. B. jemand mit „jahrzehntelangen Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich”, also mit Kompetenz vergleichbar mit „jahrzehntelangen Erfahrungen im Ein- und Ausatmen”, vom Lehnstuhl aus nach 10 Minuten Lesen eine psychologische Ferndiagnose stellt. Da packt es mich, und in purer Raserei schreibe ich einen Blogartikel. Wenn es ganz schlimm kommt, zerknülle ich noch ein Papier (aber nur, wenn ich es sowieso wegwerfen will, ansonsten ist das zu schade dazu).


1.
Februar
2015

Fehlschluss #35: Das Argument des gesunden Menschenverstandes

Geschrieben von Michael Hohner am 1. Februar 2015, 19:26:05 Uhr:

Dieses Argument ist gerade wieder in einer EMail-Zuschrift sinngemäß aufgetaucht:

Der gesunde Menschenverstand sagt uns doch schon, dass dieses oder jenes so sein muss oder so nicht sein kann.

Hier wird zu einem einfacheren Denken aufgerufen. Ein Hinterfragen oder eine Analyse soll unterbleiben. Man soll sich stattdessen auf seine Intuition verlassen.

Diesem Argument liegt eine unausgesprochene Prämisse zugrunde, nämlich dass die Intuition verlässlichere Ergebnisse liefert als analytisches Denken. Ist diese Prämisse wahr?

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16.
Dezember
2014

Büchernachlese 2014

Geschrieben von Michael Hohner am 16. Dezember 2014, 08:03:03 Uhr:

Die folgenden Bücher habe ich 2014 gelesen und noch nicht in einer ausführlichen Besprechung vorgestellt. Die meisten davon sind erst kürzlich erschienen. Deswegen möchte ich diesen Büchern wenigstens mit einer Kurzbesprechung gerecht werden:

Rolf Bergmeier: Christlich-abendländische Kultur – Eine Legende

Eine weit verbreitete Ansicht ist, dass die kulturellen Errungenschaften der Antike durch das Christentum, insbesondere durch Klöster, über das Mittelalter hinwegtransportiert wurden, und dass gerade auch die Klöster als die wahren Geburtsstätten der Wissenschaften anzusehen sind. Demzufolge werden von der (meist konservativen) Politik gerne die „christlich-abendländische Kultur” und die „judeo-christlichen Werte” zitiert, meist um eine Gegenposition entweder zum Islam oder zu liberalen Standpunkten zu errichten.

Nach dem Lesen des Buchs von Bergmeier wird klar, dass diese „christlich-abendländische Kultur” im Wesentlichen eine Falschzuschreibung ist. Vor und während dem Mittelalter wurden Texte, die für die Kirche keinen Nutzen darstellten, entweder direkt vernichtet oder das Material für neue Abschriften von religiösen Texten wiederverwendet. Säkulare Texte aus der Antike wurden vor allem im OsmanischenArabischen Reich bewahrt und erst während der Aufklärungzum Ende des Hochmittelalters und während der Renaissance aus Spanien und dem nahen Osten nach Mitteleuropa re-importiert. Auch mit der Klosterwissenschaft ist es nicht weit her. Hildegard von Bingen, die Galionsfigur der Klostermedizin, hat im Grunde nichts zur modernen Medizin beigetragen. Das ist auch wenig überraschend, denn diese Klosterwissenschaften basierten eher auf theologischen Dogmen als auf Evidenz.

Ein wertvoller Beitrag zur Kulturkampf-Debatte der letzten Jahre und ein wichtiges Argument gegen die dabei verbreitete Geschichtsklitterung.

Wertung:

Rolf Bergmeier Christlich-abendländische Kultur – Eine Legende Alibri Verlag ISBN 978-3-86569-164-4 z. B. bei Amazon

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3.
September
2014

Fehlschluss #34: Der maskierte Mann

Geschrieben von Michael Hohner am 3. September 2014, 08:24:11 Uhr:

Der Fehlschluss des maskierten Manns kann wie folgt illustriert werden:

Der maskierte Mann hat eine Bank ausgeraubt. Frau Meier glaubt nicht, dass ihr Nachbar eine Bank ausrauben würde. Deshalb ist der maskierte Mann nicht ihr Nachbar.

Hier wird das Gesetz von Leibniz falsch angewandt. Dieses sagt etwas aus über die Identität von Objekten:

A hat die Eigenschaft X. B hat nicht die Eigenschaft X. Also ist A nicht identisch mit B.

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1.
September
2014

Fehlschluss #33: Vorschnelle Verallgemeinerung

Geschrieben von Michael Hohner am 1. September 2014, 07:34:52 Uhr:

Den Fehlschluss der vorschnellen Verallgemeinerung könnte man auch als „Stammtischargument” bezeichnen:

Ich bin von einem Gebrauchtwagenhändler übers Ohr gehauen worden, und mein Schwippschwager auch. Gebrauchtwagenhändler sind doch alle Gauner!

Die allgemeine Form ist:

A und B sind Beispiele von X. A und B haben die Eigenschaft Y. Also haben alle X die Eigenschaft Y.

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