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16.
August
2011

Fehlschluss #20: ... und der ganze Rest

Geschrieben von Michael Hohner am 16. August 2011, 07:10:34 Uhr:

Im 20. Teil dieser Serie noch ein paar kleine Fehlschlüsse, für die sich jeweils ein eigener Blogbeitrag nicht lohnen würde:

Falscher Umkehrschluss

Der „falsche Umkehrschluss” ist wieder ein formaler Fehlschluss. Der eigentlich korrekte Umkehrschluss lautet:

Aus A folgt immer B. Wenn nicht B, dann auch nicht A.

Wenn aus A immer B folgt, dann kann man aus der Abwesenheit von B auch auf die Abwesenheit von A schließen. Dieser Umkehrschluss wird zum Fehlschluss, wenn bei der Umkehrung A und B vertauscht werden:

Aus A folgt immer B. Wenn nicht A, dann auch nicht B.

Dies ist ein Fehlschluss, weil B auch aus anderen Prämissen als A folgen kann.

Beispiel für einen korrekten Umkehrschluss:

Wer zu viel Schweinebraten isst, wird dick. Wer nicht dick ist, hat auch nicht zu viel Schweinebraten gegessen.

Falscher Umkehrschluss:

Wer zu viel Schweinebraten isst, wird dick. Wer nicht zu viel Schweinebraten isst, wird auch nicht dick.

Klingt bei oberflächlichem Lesen eher das falsche Beispiel richtig und das richtige Beispiel falsch oder verwirrend? Das wird dann wohl der Grund sein, warum Argumente mit diesem Fehlschluss so erfolgreich sind.

Genetischer Fehlschluss

Beim „genetischen Fehlschluss” wird ein Argument alleine dadurch als wahr oder falsch angesehen, dass es aus einer bestimmten Quelle kommt oder auf eine bestimmte Weise zustande kam.

Beispiele:

Diese Studie wurde von der Pharmaindustrie mitfinanziert, da ist das Ergebnis bestimmt manipuliert.
Diese Aussage kommt von einem Kommunisten, das kann nur falsch sein.

Dies ist sehr ähnlich dem Autoritätsargument (bei positiven Aussagen) oder dem Vergiften des Brunnens (bei negativen Aussagen).

Argument aus persönlichem Unglauben

Ich kann nicht glauben, dass A wahr ist (implizit: … und deshalb ist es nicht wahr).

Dabei wird der Wahrheitsgehalt von A meist nicht explizit angezweifelt oder gar widerlegt, aber dennoch ohne Begründung abgelehnt.

Auch große Geister sind vor diesem Fehlschluss nicht gefeit. Einsteins

Gott würfelt nicht
ist in seiner ursprünglichen Form ein Argument aus persönlichem Unglauben:
Die Theorie liefert viel, aber dem Geheimnis des Alten bringt sie uns doch nicht näher. Jedenfalls bin ich überzeugt davon, dass der nicht würfelt.
Oder anders formuliert:
Ich kann nicht glauben, dass es in der Natur echten Zufall gibt, auch wenn die Quantenmechanik genau das zeigt.

Argument der erwünschten Konsequenz

Dieser Fehlschluss funktioniert wie folgt:

A führt zu B (unabhängig davon, ob A wahr ist oder nicht). B ist erwünscht. Deshalb ist A wahr.

Auch die negative Variante des Arguments ist ein Fehlschluss:

A führt zu B (unabhängig davon, ob A wahr ist oder nicht). B ist unerwünscht. Deshalb ist A falsch.

Ein solches Argument wird meist dann geführt, wenn die Wahrheit von A angezweifelt oder sogar widerlegt wurde, die Folgen von A jedoch beibehalten werden sollen und daher als Wahrheit von A uminterpretiert werden.

Beispiel:

Wenn sich Menschen alternativmedizinisch behandeln lassen, dann fühlen sie sich hinterher meist besser. Das Wohlbefinden der Patienten ist erstrebenswert. Daher ist die Alternativmedizin wirksam.

Oder deutlicher:

Rosa Einhörner machen kleine Mädchen glücklich. Kleine Mädchen sollen glücklich sein. Deshalb existieren rosa Einhörner.

Hiermit endet vorerst diese Serie. Vielleicht folgen irgendwann weitere Teile zu exotischeren Fehlschlüssen, wenn sich die Gelegenheit bietet.

Kategorien: Fehlschlüsse, Grundlagen

Im 20. Teil dieser Serie noch ein paar kleine Fehlschlüsse, für die sich jeweils ein eigener Blogbeitrag nicht lohnen würde: Falscher Umkehrschluss Der „falsche Umkehrschluss” ist wieder ein formaler Fehlschluss. Der eigentlich korrekte Umkehrschluss lautet: Aus A folgt immer B. Wenn nicht B, dann auch nicht A.

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