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Juli
2010

Und noch eins: Homöopathie im Spiegel

Geschrieben von Michael Hohner am 12. Juli 2010, 22:54:29 Uhr:

Der Spiegel Nr. 28, 2010

Passend zur aktuellen Diskussion über die Kostenübernahme mancher Krankenkassen für manche homöopathischen Leistungen erschien in der heutigen Ausgabe des Spiegel die Titelstory „Homöopathie – Die große Illusion”, im Heft auch genial betitelt mit „Der große Schüttelfrust”. Der Titel lässt hoffen, auch wenn beim Lesen von so mancher früherer Berichterstattung zu wissenschaftlichen Themen im Spiegel die Mundwinkel eher der Gravitation gefolgt sind.

Diesmal haben die Autoren Markus Grill und Veronika Hackenbroch ins Schwarze getroffen. Nach einem kurzen Schlaglicht auf die aktuelle Diskussion in England werden korrekt die Grundideen der Homöopathie erläutert (die offensichtlich auch einigen prominenten Anhängern nicht geläufig sind). Eine typische Sitzung beim Homöopathen wird geschildert. Dann kommt man zum Kern des Themas, den wissenschaftlichen Nachweisen. Die Geschichte der Metaanalysen zum Thema wird korrekt erzählt. Dem geneigten Leser wird auch nochmal der grundsätzliche Aufbau von randomisierten, placebokontrollierten Doppelblindstudien erläutert, und warum anekdotische Nachweise tendenziell zu positiv ausfallen.

Fehlen dürfen natürlich nicht die absurden Verdünnungen der Homöopathie, sowie Beispiele für die skurrilen Ausgangsstoffe der Tinkturen. Auch die dunkle Vergangenheit der Homöopathie muss in einem Spiegel-Artikel selbstverständlich beschrieben werden.

Dieser Artikel sollte Pflichtlektüre für alle Krankenversicherten sein, und insbesondere auch für die politischen Entscheider. Letztere haben's wohl am nötigsten.

Kategorien: Homöopathie, Presse, Spiegel

Der Spiegel Nr. 28, 2010 Passend zur aktuellen Diskussion über die Kostenübernahme mancher Krankenkassen für manche homöopathischen Leistungen erschien in der heutigen Ausgabe des Spiegel die Titelstory „Homöopathie – Die große Illusion”, im Heft auch genial betitelt mit „Der große Schüttelfrust”. Der Titel lässt hoffen, auch wenn beim Lesen von so mancher früherer Berichterstattung zu wissenschaftlichen Themen im Spiegel die Mundwinkel eher der Gravitation gefolgt sind. Diesmal haben die Autoren Markus Grill und Veronika Hackenbroch ins Schwarze getroffen. Nach einem kurzen Schlaglicht auf die aktuelle Diskussion in England werden korrekt die Grundideen der Homöopathie erläutert (die offensichtlich auch einigen prominenten Anhängern nicht geläufig sind). Eine typische Sitzung beim Homöopathen wird geschildert. Dann kommt man zum Kern des Themas, den...

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Kommentar #3-1-1 von EEBO am 25. November 2010, 18:58:26 Uhr:
Schade, daß Thorsten auf Deinen Einwand nicht geantwortet hat, da hier ein Grundsatzproblem sich auftut: Als Arzt befinde ich mich in der Situation, daß Menschen ja nicht nur wie Zellen in der Petrischale den Naturgesetzen gemäß sich verhalten oder nach der reinen Vernunft, sondern auch gerne einmal irrational... Sie haben Ängste, Erwartungen usw. Nicht umsonst geht es ja bei der Medizin sowohl um die Anwendung naturwissenschaftlicher Verfahren, als auch darum, auf den Patienten als ganzes einzugehen, ihn nicht nur auf seine Erkrankung zu reduzieren.

Was hat das jetzt mit Homöopathika und dem Placeboeffekt zu tun? Zunächst einmal: Ich halte von den Globuli und besseren Schnäpsen, die uns die Hahnemannen mischen, gar nichts. Das ganze ist Beutelschneiderei. Wenn aber ein Patient von sich aus fragt, ob er zusätzlich zu einem schulmedizinischen Medikament ein Homöopathikum nehmen könne, da es ihm ja immer so gut geholfen habe, würde ich ihm es nicht verbieten, sondern mit dem Vermerk der unsicheren Wirkung ihm sagen, dass er es nehmen könne, da es zumindest nicht schadet. Wenn ich damit seine Selbstheilungskräfte, d.h. den Placeboeffekt ankurbeln kann, dann in Gottes Namen, warum nicht? Es handelt sich um einen der klassischen Kompromisse, die man in der Heilkunst eingehen muß, auch wenn sie einem nicht gefallen. Wohlgemerkt, Einnahme des Homöopathikums nicht anstelle, sondern zusätzlich zum etablierten Medikament!

Zum Thema Indikation des Placebos: Es gibt z.B. Situationen, in denen Patienten psychisch überlagert sind, die aber weit entfernt von einer psychischen Erkrankung sind, daß man kein Psychopharmakon geben würde. Hier kenne ich Erfahrungsberichte von Kollegen, die erstaunliche beruhigende bzw. heilungsbeschleunigende Effekte durch "besonders teuere neue schweizer Tabletten" (enthielten kein µg Wirkstoff) o.ä. verzeichneten. "Problem" heutzutage ist der informierte Patient, der das Recht darauf hat, daß ihm alles erklärt werden sollte, was mit ihm geschieht, daß heißt, der "fromme Betrug" ist ethisch fragwürdig und u.U. justitiabel.

Also: Auch wenn es manchmal sinnvoll erscheinen mag, wäre ich doch mit der gezielten Gabe eines wirkungslosen Medikaments ohne Wissen des Patienten seeehr zurückhaltend. Und wenn ich einen Patienten habe, der von Homöopathie überzeugt ist, dann würde ich ihm das nicht um jeden Preis ausreden, denn wenn er dann aufgrund des gestörten Vertrauensverhältnisses gar nicht mehr zu mir kommt und die allopathischen Mittel nicht mehr einnimmt, ist auch nichts gewonnen. Aber nie würde ich von selbst dem Patienten ein Homöopathikum aufschwatzen, und sei ich noch so ratlos, wenn eine etablierte Thearapie nicht wirkt!!!!

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