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6.
Oktober
2009

Mythos #1: Die Teflonpfanne ist ein Nebenprodukt des US-Raumfahrtprogramms

Geschrieben von Michael Hohner am 6. Oktober 2009, 19:40:50 Uhr:

Wenn der alltägliche Nutzen des Raumfahrtprogramms der US-Amerikaner in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts diskutiert wird, dann wird oft die Teflonpfanne als Nebenprodukt dieser Bemühungen genannt.

Mit ein wenig Nachforschung entpuppt sich diese Behauptung schnell als moderne Legende. Die Geschichte von Teflon ist deutlich älter als der Wettlauf zum Mond. Der Anfang des 20. Jahrhunderts war die Blütezeit der Entdeckung vieler neuer chemischer Verbindungen. Besonders interessant war dabei die Entdeckung der Polymere, der langkettigen Moleküle zusammengesetzt aus kleineren Bausteinen, den Monomeren. Diese neuen Verbindungen zeigten viele interessante Eigenschaften und praktische Anwendungsmöglichkeiten. Nach und nach wurde gezielt nach neuen Polymeren gesucht.

Die Erschaffung von Teflon war aber, wie so oft, das unbeabsichtigte Ergebnis eines missglückten Experiments. Roy Plunkett und sein Assistent Jack Rebok waren 1938 im Labor von DuPont damit beschäftigt, das damals ebenfalls recht neue Kühlmittel Tetrafluorethylen unter hohem Druck in Kartuschen zu füllen. Bei einer der Kartuschen lief offenbar etwas schief, und sie schien leer zu sein. Rebok kam sie jedoch zu schwer vor um wirklich leer zu sein. Deshalb wagten sie es, die Kartusche aufzusägen, und hervor kam ein weißer pulvriger Stoff. Unbeabsichtigt wurde das Tetrafluorethylen unter dem hohen Druck polymerisiert. Das entstandene Polymer hatte einen deutlich kleineren Reibungskoeffizient als andere bekannte Stoffe und war gleichzeitig fest, widerstandsfähig, hatte einen hohen Schmelzpunkt, und es reagierte kaum mit anderen Chemikalien. Das neue Polymer Polytetrafluorethylen bekam schließlich 1941 den Markennamen „Teflon” und wurde gezielt hergestellt.

In der Raumfahrt wurde später Teflon tatsächlich eingesetzt wegen seiner besonderen Eigenschaften im Vergleich zu herkömmlichen Schmierstoffen. Teflon selbst war jedoch schon lange vorher bekannt und wurde keinesfalls im Rahmen des Raumfahrtprogramms neu entwickelt. Selbst als Beschichtung von Bratpfannen wurde Teflon schon 1954 verwendet.

Eine ähnliche Legende gibt es zu Klettverschlüssen. Auch diese werden als Nebenprodukt der Raumfahrt bezeichnet. Tatsächlich wurde der Klettverschluss jedoch schon 1948 vom Schweizer Georges de Mestral erfunden und 1951 patentiert. Klettverschlüsse sind wie Teflon kein Produkt der Raumfahrt, sondern lediglich ein nützliches Hilfsmittel in der derselben.


Quelle: DuPont Fluoropolymer Solutions: A Brief History of Fluoropolymers

Kategorien: Mythen

Wenn der alltägliche Nutzen des Raumfahrtprogramms der US-Amerikaner in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts diskutiert wird, dann wird oft die Teflonpfanne als Nebenprodukt dieser Bemühungen genannt. Mit ein wenig Nachforschung entpuppt sich diese Behauptung schnell als moderne Legende. Die Geschichte von Teflon ist deutlich älter als der Wettlauf zum Mond. Der Anfang des 20. Jahrhunderts war die Blütezeit der Entdeckung vieler neuer chemischer Verbindungen. Besonders interessant war dabei die Entdeckung der Polymere, der langkettigen Moleküle zusammengesetzt aus kleineren Bausteinen, den Monomeren. Diese neuen Verbindungen zeigten viele interessante Eigenschaften und praktische Anwendungsmöglichkeiten. Nach und nach wurde gezielt nach neuen Polymeren gesucht.

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